Montag, 30. November 2015

„Ich hätte nicht gedacht, dass die wirklich kommen“

Ich hätte nicht gedacht, dass die wirklich kommen“, sagte Rabbiner Dov Acselrod

…und nun waren wir da!
Ein Team aus Sachsen, bestehend aus fünf Handwerkern, dazu Lena und Igor aus Donezk.

Jüdische Schule in Tscherkassie-Ukraine: Handwerker im Einsatz
Jüdische Schule in Tscherkassie-Ukraine: Handwerker im Einsatz

Baueinsatz in einer Schule: Pjotr, Valentina, Valentin und Liana hatten unseren Einsatz gut vorbereitet und unsere Bauaufgaben geplant. So fuhren wir in die jüdische Schule zur ersten Baustelle. Dort besuchten uns der Rabbiner und seine Frau. Als Lehrerin dieser Schule war sie besonders glücklich über die Reparatur der Heizkörper. Als Dank wurden wir herzlich von der jüdischen Gemeinde aufgenommen und zum Mittagessen in die Synagoge eingeladen. Dort hörten wir den eingangs erwähnten Satz…
Flüchtlinge: In Tscherkassy halten sich viele Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet in Lugansk auf. Wir lernten eine Frau mit ihren Kindern kennen, hatten Anteil an ihrer Not und besuchten eine Behinderte. Der Krieg war überall in der Stadt präsent – auch durch die Tafel mit Fotos gefallener Soldaten.
Sanitäter: In unserer Unterkunft war ein Sanitätstrupp untergebracht. Die Gesichter der Männer waren vom Ernst der Situation gezeichnet. Auf meine Frage antworteten sie: „Yes, we come from the war – Ja, wir kommen aus dem Krieg“.
Erinnerung: An einem Nachmittag fuhren wir über den angestauten Dnepr, der Tscherkassy einen besonderen Charakter verleiht. Nach zweistündiger Fahrt hielten wir an einem Mahnmal. Wir befanden uns auf einem Erschießungsplatz; 3.800 vorwiegend jüdische Menschen waren hier ermordet worden! Wieder einmal sind wir mit deutscher Vergangenheit konfrontiert, und uns trieb es ins Gebet.
Pflege eines Friedhofs: Unsere nächste Aufgabe war dem alten jüdischen Friedhof gewidmet. Wir räumten zuerst Bruchholz und Müll weg. Danach knieten wir neben den Gräbern und entfernten Wurzeln und Unkraut. Mir wurde bewusst, dass dies eine symbolische Handlung war, Jes 60,14: Die Enkel der Täter knien an den Gräbern der Opfer.
An einem Morgen beteiligte sich eine jüdische Familie am Arbeitseinsatz auf dem Friedhof. Beim Verabschieden sagte die Frau: „Es ist ein Wunder, dass deutsche Männer hier arbeiten“.
Bis heute bewirkt der Jude Jesus Christus solche „Wunder“ in Menschen. Wir wurden bereitet, diesen Arbeitseinsatz zu tun, andere wurden bereitet dies finanziell zu ermöglichen, wieder andere nahmen gefährliche Lebensumstände in Kauf; und alles in allem ist es die Hand Gottes, die Menschen verändert. ER bewirkt die Liebe für Sein Volk und die Erfüllung Seiner Verheißungen.
Im Namen der sächsischen Arbeitsgruppe, Uwe Fleischer (Sept 2015)

Freitag, 13. November 2015